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Diese Tipps hätte ich gerne vor meinem ersten Rennrad-Rennen Eschborn Frankfurt bekommen:

29. März 2019

1.5.2018, 8:30 morgens, gute 12 Grad, auf dem Parkplatz eines Möbelhauses: ich stehe in voller Renn-Montur mit meinem Rennrad am Start meines allerersten Radrennens. Eschborn Frankfurt. Noch ein gutes Jahr davor hätte ich mir um diese Uhrzeit meinen letzten Longdrink ausgetrunken und ein Wiener Innenstadtlokal verlassen, um ins Bett zu gehen. Aber naja, Zeiten ändern sich, Ziele ändern sich, und ich wollte den Mythos Rad-Klassiker mal selbst ausprobieren. Gemeinsam mit dem Team Alpecin und 5.500 anderen Starten ging es auf eine 100 km lange emotionale Berg- und Talfahrt. Denn ich hatte zwar kein besonderes Ziel, außer heil finishen und die gesperrten Straßen zu genießen, aber war nach dem Einfahren am Vortag schwer nervös.

Wie es mir erging? Das könnt ihr hier lesen:

 

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Soooo as I talked about falling off legs and feeling like dying I had a massive throwback in my mind to my first road race ever. TLDR: I was afraid but finished well. It was @eschbornfrankfurt 10 months ago. I decided to go for the long route as I wanted to get to know the effort you have to put in for long road races before L’Étape. There was this rather steep but short mountain called the #mammolshainerberg after 90 km with something like 24% and the steepest part. I knew that I rode similar stuff before – but with 34/32. As I didn’t take my roadbike with me, I had to work with the stuff the team gave me. Well, they gave me a beautiful bike but with a 28 cassette. I know a lot of you will laugh now because you learned cycling with way harder equipment – but I was really afraid! And fear doesnt go away from someone telling you: Ooooh I did this with 42/52 easily. 🙃 At the training the day before I didn’t manage to finish it without dismounting. Twice. I was cycling since 9 months then – and have always been quite anxious about heights and steep stuff. Long mimimi and a hard time falling asleep (because I was so afraid to ride it the next day during the race) followed. 😬 Long story short , in this picture you see me smiling because I did not only ride it completely without dismounting, but I was also overtaking other people on it. The atmosphere was unbelievable, all the people screaming and pushing me was a feeling I never experienced so far. And in the moment I arrived at the top, they played my favorite song. I couldn’t help but smile from one ear to the other. 😄 Since this moment, I stopped trying to not being afraid but i let the fear be, and just do it anyway. I’m still anxious a lot – on the bike but also in every day life – but courage isn’t never being afraid, it’s being afraid and doing it anyway. So cycling taught me to be courageous 💪🏻 and maybe also to try not overthinking everything so much. If you are quite new into cycling and this whole racing thing seems a bit frightening, I would highly suggest you to try it anyway – just once. You have nothing to lose, just gain a lot of self esteem and maybe a podium 🤪

Ein Beitrag geteilt von Nora Freitag (@unicorncycling) am

Jetzt, 11 Monate später, habe ich mich wieder für das selbe Rennen angemeldet – und schreibe deswegen für euch noch einmal die Tipps zusammen, die ich gerne vor meinem ersten Rennen gehört hätte:

 

„Scheiß di ned an!“

Hat sie das jetzt echt geschrieben? Nein! Doch! Oh! Das ist gut wienerisch für: hör auf mit der übertriebenen Angst. Du fährst ja kein Rennen mit den Profis, nur die Strecke der Profis. Wenn du deine Durchschnittsgeschwindigkeit angegeben hast, kommst du automatisch mit anderen, die ein anderes Tempo fahren können, in einen gemeinsamen Startblock. So hast du zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, irgendwo hinterher zu fahren.

Fahr weiter!

Mit 2 großen Flaschen und etwas Training im Essen aus der Trikot-Tasche ist selbst auf der Extreme-Strecke eigentlich keine Pause zwingend notwendig (außer die Natur ruft). So sparst du wertvolle Zeit und musst dir außerdem nicht wieder eine neue Gruppe in deinem Tempo suchen. Ja, womöglich drückt der Sattel ein Bisschen, oder du würdest den Riegel gerne in Ruhe Essen, aber das kannst du ja bei allen anderen Ausfahrten auch wieder machen…

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Genieß die abgesperrten Straßen

Der absolute Hammer! Ein Teil der Strecke führte sogar über eine dreispurige Straße, die wir uns ganz für uns hatten. Diverse Male musste ich einfach „Oh mein Gott!“ und „Das ist einfach nur geil.“ rufen, weil es mir so einen Spaß gemacht hat.

 

Nimms mit Humor

… so wie ich und eine andere junge Dame, die am Ruppertshain „Die schon wieder!“ geschnaubt hat, als ich das 3. Mal an ihr vorbei gefahren bin. Ich war nämlich bei meinem ersten Radrennen wirklich eine desolate Abfahrerin, ganz im Gegenteil zu ihr, die die Kurven mit einem solche Selbstvertrauen genommen hat, dass mir fast die Kinnlade runter geklappt wäre. Ich meinte zu ihr: „Och, wenn ich könnte, würde ich mit dir tauschen!“ – und wir mussten beide lachen. Ja klar, es ist ein Rennen. Aber solange man nicht ums Stockerl fährt, kann man sich auch einfach mal amüsieren. Den Feldberg rauf hatte ich ein super nettes Gespräch mit einer Frankfurterin, die schon deutlich erfahrener im Rennrad-Fahren war, geplaudert – während wir die meisten Männer nur noch hochroten Kopfes hinter uns lechzen hörten.

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Mit dem Auto zur Ziellinie? Keine gute Idee

Dann lieber ein paar Meter zur nächsten S-Bahn-Station ein- und ausradeln. Macht mehr Spaß, ist gut fürs Rennen und man steht nicht ewig danach im Stau. Ich bin zwar selbst öffentlich angereist, aber am Weg zur S-Bahn bin ich an einer Kolonne von Autos vorbei und über gesperrte Straßen gegangen – und hab mich gefreut.

 

Schau dir die Zieleinfahrt der Profis an

Nach einer Dusche und einem Finisher-Bier ging es mit einem fetten Grinser im Gesicht in Richtung Frankfurt, wo in bälde die Profis im Ziel ankommen sollten. Und was soll ich sagen: im Zielbereich war eine bomben Stimmung und ich traf auch noch Nhat, dessen Blogpost über Mallorca 312 so ziemlich der erste war, den ich Radrennen gelesen habe. (By the way: dieser Blog ist so hammermäßig geschrieben, dass ich beim Lesen beinahe meinen Kaffee über die Tastatur gespuckt hätte, danke dafür!)

Mir haben die jubelnden Fans, das Knattern der „Aufblasdinger“ gegen die Banden, die Aufregung, wenn das erste Auto durchfährt und dann das Sirren der Carbon-Raketen der Profis so unfassbar gut gefallen, dass ich einen Besuch in der Frankfurter City schon fix eingeplant habe, anstatt mich gleich nach dem Rennen auf den Weg nach Hause zu machen.

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Falls ihr noch weitere Fragen zur Renn-Vorbereitung habt, meldet euch wirklich total gerne! Ich bin zwar kein Fachmann, aber 4 Straßen- und zwei CX-Rennen habe ich 2018 im Sattel. Ich hoffe, ich versteht, dass ich ohne einer soliden Ausbildung im Training keine konkreten Tipps zu Trainingseinheiten vor dem Rennen geben kann. Dafür gibt es ganz andere Experten. Ich persönlich würde es nur in der Woche vor dem Rennen nicht allzu Übertreiben und etwas mehr Kohlenhydrate als gewohnt essen.

Hier habe ich auch einen detaillierten Bericht über das Rennen Eschborn-Frankfurt geschrieben. 

So, und jetzt kommen dir richtig großen News: Mary (@qom_at_me) und ich werden in einem Monat dieses Rennen zusammen fahren! Passender Weise ist es auch Mary’s erstes Rennen. Und große News sind es deswegen, da unsere Beine zusammen beinahe 4m lang sind. #RiesenTeam
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr auf sie – und natürlich auf das Team Alpecin 2019!

 

Du möchtest mit uns starten?
Hier gehts zur Anmeldung!

Anmeldung geöffnet bis zum 14. April und Nachnennung vor Ort möglich
#Kooperation: Danke an Eschborn Frankfurt für die Unterstützung durch den Startplatz!

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Team Alpecin: alles über unser Equipment, Events und die Anmeldung für 2019

2. Dezember 2018
trainingscamp

Kaum einem dürfte es entgangen sein, dass ich dieses Jahr Teil des Jedermann-Teams von Alpecin war. Es war wirklich ein großartiges Jahr für mich und ich erhielt grade zuletzt jede Menge Fragen von euch, die ich nun, da die Anmeldung für das Team Alpecin 2019 offen ist, detailliert beantworten werde.

Was ist das Team Alpecin?

Wie eben schon gesagt, handelt es sich dabei um ein Jedermann-Team, das (quasi) mit dem Equipment vom Katusha Alpecin Pro-Team trainiert. Es geht darum, zu zeigen, zu welchem Fortschritt ambitionierte Radfahrer auf den verschiedensten Leistungsniveaus mit der perfekten Ausstattung und einem strukturieren Traininsplan binnen weniger Monate fähig sind. Jedes Jahr werden 12 bis 14 Fahrer aus Europa aus vielen Tausend Bewerbungen ausgewählt. Wie das Auswahlverfahren genau funktioniert kann ich auch nur mutmaßen, ich denke aber, es läuft nach einem Zufallsprinzip und im Anschluss wird geschaut, dass unterschiedlichste Trainings-Levels und von jung bis „älter“ (wir sind ja alle jung geblieben) vertreten sind. Ich habe mir auch ein paar der Kommentare von Usern unter alten Team Alpecin Posts durchgelesen und würde hier gerne Mal klarstellen: wir fahren Jedermann-Rennen, nicht die komplette Tour de France mit den Profis! Wenn du Profi werden möchtest, ist das hier eher nicht das Sprungbrett, was sich manche erhoffen – bzw. nur ein ganz kleiner Teil davon. Ihr könnt natürlich während der Zeit im Team auch bei eurem lokalen Radsportverband Mitglied bleiben. Es ist nicht möglich, eine Lizenz über das Team Alpecin zu bekommen.

Hast du konkrete Tipps für die Bewerbung?

Humor, Teamgeist und Durchhaltevermögen zeigen!

Wie lange muss ich schon Rennrad fahren?
Welchen Schnitt/Wie viel Watt muss ich mindestens treten? 

Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn du noch ein Frischling am Rad bist, und ich denke nicht, dass du einen besonderen Vorteil bei der Bewerbung hast, wenn dein FTP bei der Bewerbung bereits bei 370 Watt liegt. Zum Vergleich: Maddie, Laura, Arne und ich waren alle noch kein Jahr auf dem Rennrad unterwegs, als wir ins Team gekommen sind, Stefano hatte beim allerersten Laktatstufentest in Bielefeld einen FTP von 270.

Mal ganz abgesehen davon, dass dein Schnitt nicht wirklich viel über dein Trainings-Level aussagt, geht es beim Team Alpecin darum zu zeigen, zu welchem Fortschritt man fähig ist. So ist sogar der FTP vom wirklich starken Stefano noch um 40 Watt gestiegen, während Watt-Maschine Andi beim Team 12 kg abgenommen hat und so seinen Watt-pro-Kilo-Wert noch einmal massiv verbessert hat!

Wie viel Zeit/Geld brauche ich, um beim Team Alpecin 2019 mitzumachen?

Ich kann hier nur meine Erfahrungen teilen: für alle Team-Events zusammen (Team-Treffen in Bielefeld, Trainings-Camp in Kaltern, mein erstes Rennen in Eschborn Frankfurt, L’Étape du Tour in Annecy) habe ich mir +- 12 Urlaubstage genommen.
In der Zeit, wo wir unseren Trainingsplan hatten, bin ich mindestens 9 und maximal 15 Stunden die Woche Radgefahren – je nachdem, was der Plan eben grade gesagt hat. Außerdem war ich an zwei Sonntagen bei RTFs bei mir in der Nähe: der St. Pöltener Radmarathon und der Leithaberg Radmarathon. Das ganze ist also wirklich einfach machbar, auch neben einem Vollzeit-Job!
Das Equipment, auf das wir gleich noch näher eingehen, ist wirklich sehr, sehr umfangreich, das einzige, was man selbst bezahlen muss, ist die Anreise zu den jeweiligen Orten. Das steht auch ganz genau auf der Seite, wo man sich anmelden kann UND Daniel von der RoadBIKE hat mich auch extra noch einmal bei unserem ersten Telefonat darüber aufgeklärt. Die Kosten für die Anreise, Anschaffung eines Radkoffers, Übernahme einiger Sponsoren-Artikel, mein Team-Rad zurück schicken und hier und da ein Bier haben sich für mich mit etwa 900 – 1000 Euro zu Buche geschlagen. Im Verhältnis zu dem, was wir da alles erlebt haben, die tollen Hotels, in denen wir gewohnt haben, das hervorragende Essen und was wir vor Ort alles sonst noch bekommen haben, ist das wirklich gar nichts. Außerdem war das Orga-Team rund um Sarah wirklich sehr hilfreich und hat uns alle Informationen sehr früh zukommen lassen, sodass ich meine Flüge immer günstig buchen konnte.

Natürlich hängt die genau Anzahl der Urlaubstage für die Events und die exakte Höhe der Kosten, die für die Mitglieder selbst zu tragen sind abhängig von eurem Wohnort! Als Wienerin habe ich zum Beispiel am südöstlichsten von uns alle gewohnt. 



Das Equipment

Ich bin kein Experte – sondern einfach begeisterte Rennrad-Fahrerin und habe etwas über ein halbes Jahr viele Produkte der Partner vom Team Alpecin testen dürfen. Dafür wurde ich nicht bezahlt, wie ihr oben schon gelesen habt und ich bin auch kein Fachmann. Von meinen persönlichen Erfahrungen werde ich hier erzählen – und damit werde ich keine flache Werbung machen, sondern erwähne auch, wenn was nicht so funktioniert hat oder ich Probleme bei etwas hatte.

Bild by Henning Angerer

Canyon Endurace CF SLX

Unser Team-Rad ist wirklich eine rote Rakete – und wahnsinnig vielseitig. Mit Zipp Firecrest 303 Disc Laufrädern, SRAM red eTap, Quarq Powermeter und den Conti GP4000 II S bin ich damit von italienischen Bergstraßen über die Schotterpiste im Strade Bianche Style auf dem Platéau des Glières bis hin zu flachen MTB Trails in der Lobau alles ohne Probleme gefahren.



Das Rad kostet mit der Ausstattung neu 7.200 Euro. Mein erstes Rennrad, eine BMC Roadmachine hat ja auch eine ähnliche Geo und Scheibenbremsen, von daher war ich vom Fahrgefühl der eher Aufrechten Position und den Discs nicht ganz so überrascht wie einige andere. Das Rad ist aber trotz Discs und Aero-Laufrädern unfassbar leicht. Knapp über dem UCI Limit. Als ich in Südtirol das erste Mal drauf saß, meinte ich nur: „Boah, das fährt ja wie von selbst!“ Gut, ganz so war es dann nicht, aber grade die viel leichteren Laufräder im Vergleich zu meinen bisherigen DT Swiss merkt man sofort. Wer es eher sportlicher mag, der holt sich vermutlich lieber das Ultimate oder das Aeroad, ich für meinen Teil bin absolut zufrieden mit den Endurace! Auch im Renneinsatz ist es absolut top und wer nicht nur ausschließlich auf Asphalt fahren möchte oder ein Liebhaber langer Fahrten ist, ist mit dem Endurace meiner Meinung nach am Besten beraten. Zur Größe: ich bin 1,78 cm groß und bin das Rad in M gefahren. Kurz haben sie sogar überlegt, mich auf einen L-Rahmen zu setzen, aber kleinere Rahmen sind ja sportlicher. (; Also wenn du über die Anschaffung eines Canyon-Rennrads nachdenkst, würde ich dir, grade wenn es eins deiner ersten ist, über einen kKurzurlaub in Koblenz nachdenken, damit du nicht einen Rahmen in der falschen Größe wählst.

Fazit: ein fantastisches, leichtes und unheimlich vielseitiges Rad, dass man nach seiner Zeit im Alpecin-Team zu einem Special Price übernehmen darf. 

Pic by Henning Angerer

SRAM red eTap

Meine erste elektronische Schaltung – ich kann also keinen wirklichen Vergleich mit der Di2 oder Campa machen. Aber: eine hervorragende Schaltung, bei der man aber ein bis zwei Tage braucht, um sich dran zu gewöhnen. Bei der ersten Ausfahrt ist mir gleich mal die Kette in Richtung Tretlager gefallen, weil ich wohl zu blöd war zum Schalten. Nach diesen ein, zwei Tagen Eingewöhnung gab es die ganze Zeit über kein einziges Mucken. Die Schaltung funktioniert bis heute perfekt, ich musste auf den knapp 8k km mit dem Team-Rad auch kein einziges Mal die Batterien bei den Schalthebeln tauschen. Die Akkus der eTap selbst lassen sich unkompliziert abnehmen und in einem kleinen, handlichen Adapter aufladen. Ich habe dies, je nach Menge, Länge und Profil der Fahrten zwischen 1x wöchentlich und 1x monatlich gemacht, frei nach Bauchgefühl. Einen leeren Akku unterwegs hatte ich nie, außerdem hatte ich immer noch einen vollen mit dabei, sie passen auch perfekt in die Trikot-Tasche.

Fazit: Absolute Liebe. 

Quarq Powermeter

Für mich war schon das Training nach Herzfrequenz neu, ein Powermeter hatte ich bislang noch nie und bis auf ein paar Runden im Fitness-Center auf dem Bodybike hatte ich auch keine Ahnung, wie viel Watt ich so trete. Umso größer waren die Erwartungen. Ich hatte mit meinem Powermeter zuerst einige Probleme: ich musste es teilweise 4-5 Mal auf einer Fahrt kalibrieren, weil die Anzeige immer wieder Schrittweise auf Null fiel (trotz Leistung deutlich jenseits der 100 Watt). Naja, bis auf das eine Mal beim FTP Test, wo ich ein paar Mal leer kurbeln musste, um es zu rekalibrieren war das auch kein Problem. Nachdem alle vom Team ein Auge drauf geworfen hatten und klar war, dass es sich dabei nicht um eins dieser bekannten „Oh, mein Powermeter funktioniert nicht!“-Ausreden-Problemchen sondern tatsächlich um einen bisher kaum bekannten Fehlehr handelt, bekam ich von Quarq ganz unkompliziert ein Ersatzgerät zugesandt. Und siehe da: das neue Powermeter funktioniert perfekt, vollkommen frei von Ausfällen, wirklich einfach in der Wartung (Batterie tauschen, Kalibrieren) und von den Wattwerten auch denen, die mein Rollentrainer liefert sehr ähnlich. Ganz Ehrlich: so etwas kann eigentlich bei jedem Produkt passieren, wichtig ist, dass Quarq damit gut umgegangen ist und dass das andere Gerät wirklich optimal funktioniert. Und treten muss man ja eh noch selbst. 

Fazit: Sehr guter Kundenservice bei einem wirklich guten und verlässlichen Powermeter, dass gut auf jedem Rad aussieht. 

Continental GP 4000 II S 28 mm

Der Reifen, der alle Tests gewinnt, hat auch mich überzeugt. Bislang auf Vittoria Corsa 25 mm unterwegs gewesen, war ich sehr gespannt, was der Testsieger tatsächlich so kann. Bevor ich ins Team kam, war ich grade mal 7 Monate auf dem Rennrad unterwegs und hatte noch nie einen Platten. Das habe ich wohl einmal zu laut gesagt, auf dem Anstieg zum Coyote-Pass in Südtirol hatte ich gleich mal einen und noch dazu wusste ich nicht, wie sich ein Platten anfühlt. Einige von euch werden jetzt lachen, aber als Newbie passiert sowas halt mal. Ich habe mich nur gewundert, warum das treten so schwer war – ähnliche Anstiege hatte ich schon mit links geschafft. Maurizio Fondriest schob mich sogar einmal an, aber ich konnte trotz der gewohnten Übersetzung (Kompakt vorne und 11-32 hinten) einfach nicht weiter treten. Ganz oben sah ich dann das Malheur: in meinem Hinterrad war kein bisschen Luft mehr. Ihr könnt euch bestimmt auch noch sehr genau an euren ersten Platten erinnern. Danach hatte ich kaum mehr welche. Alles in allem habe ich vielleicht 4 Schläuche verbraucht, obwohl ich wirklich sehr viel auf Gravel unterwegs war und auch nicht grade selten durch Scherben gefahren bin. #clumsy

Fazit: werde ich auch weiter fahren. Der Test-Sieger der Zeitschriften ist bislang auch mein Test-Sieger und ich bin sehr gespannt auf die ersten News von der Tubeless-Version.


Equipment von Katusha

Wir haben wirklich alles von Katusha bekommen, was ein ambitionierter Rennradfahrer so braucht. Angefangen von langen und Kurzen Baselayern mit und ohne Windstopper über lange und kurze Trikots, Bibs und lange Winter-Überhose, Windweste, Softshell- und Regenjacke, kurze und lange Handschuhe bis hin zu Arm- und Beinlingen alles, was das Rennradfahrer Herz so begehrt. Die Sachen funktionieren perfekt für Temperaturen von 5 bis 35 Grad, zumindest bin ich sie in diesem Temperaturbereich gefahren und bin rundum zufrieden. 
Mir als Frostbeule war an den Ohren immer kalt, deswegen habe ich mir noch ein schwarzes Katusha-Stirnband bestellt und ab 0 Grad brauche ich unbedingt einen Windstopper in der Hose. Kurz zu den Bibs: das Polster funktioniert für mich sehr gut und lässt einen auch nach mehreren Stunden nicht im Stich. Das Fitting ist relativ true to size, ich fahre in allen Sachen S.

Mein Fach in Kaltern

Das sympathische Team von Katusha hat uns auch in Kaltern besucht und einen kurzen Workshop zu Pflege der Klamotten und zur Wahl der richtigen Klamotten für die jeweilige Temperatur gegeben. Die Softshell-Jacken sollte man zum Beispiel nach dem Waschen kurz anföhnen oder in die Nähe einer Heizung hängen, damit das Material wieder wasserfest ist. Meine Lieblings-Kombi bei den Temperaturen in Kaltern, die meist so um die 15 Grad waren: langer Baselayer, kurzes Trikot, Ärmlinge, Windweste, Schaltuch, kurze Bib, Beinlinge. So kann man die meisten Variationen auskosten und mir war auch auf dem verschneiten Gipfel des Mendel-Passes nicht kalt.

Fazit: Ich werde auch weiterhin gerne in meinen Team-Equipment fahren und außerdem im Sale die Augen nach den stylishen anderen Kits von Katusha Ausschau halten, denn sie Sachen haben eine hervorragende Qualität!

Wahoo ELEMNT

Zunächst: ich möchte hier keine Garmin vs. Wahoo Diskussion starten. Ich habe, einen Monat nach dem ich mit dem Rennrad-Fahren begonnen habe, von meinen Freunden und meiner Familie den Garmin Edge 1000 geschenkt bekommen und der funktioniert top. Und genau so gut funktioniert auch der Wahoo ELEMNT. Ähnlich wie bei einer elektronischen Schaltung ist auch bei Wahoo eine ein- bis zweitägige Eingewöhnung nötig, wenn man bislang mit einem anderen System unterwegs war. Das Display ist schwarz-weiß und hat keinen Touch-Screen, was aber auch gar nicht notwendig ist. So richtet man die einzelnen Display-Felder, seine Route oder ähnliches ganz unkompliziert über ein App ein. Sensoren verbinden sich via Bluetooth oder ANT+ über die App oder den Rad-Computer direkt, ganz wie man will. Das ganze ist wirklich kinderleicht. Also keine Angst vor dem Umstieg. Der SW-Display ist sehr gut lesbar, egal ob mit- oder ohne Display-Beleuchtung und ich habe keine Sekunde meinem Farb-Display nachgeheult. Auch die Navigation hat mich nicht im Stich gelassen, genau so wenig wie der Akku. Bei der L’Étape habe ich zum Beispiel sowohl den Weg vom Bus zum Start als auch die ganze Brutto-Zeit von 10:42 beim Rennen selbst aufgezeichnet und hatte zum Schluss immer noch einige Prozente übrig. Bei der 200 km Tour mit meinem Freund ist sein Garmin leer gegangen, mein Wahoo nicht. Auch beim Crossen hat der Wahoo die Nase vorne: auf meinem Edge sind einige Wege nicht eingezeichnet, die der Wahoo sehr wohl angezeigt hat. Dadurch kommt es wohl auch bei einigen Leuten hin und wieder zur Verwirrungen, wenn sie GPX-Dateien importieren: der Wahoo zeigt viel mehr Wege an, die für 23mm Vollcarboner nicht unbedingt optimal sind, mit unserem Rad aber traumhaft zu fahren waren. Um das zu vermeiden, empfiehlt es sich, positiv bewertete GPX-Dateien zu importieren – der Fehler liegt hier eher beim Uploader der Tour als beim Wahoo.

Fazit: Geschmackssache, mir „schmeckt“ der Wahoo sehr gut.
Und der Preis auch: wir Mitglieder vom Team Alpecin dürfen ihn behalten und ich werde ihn auch weiterhin auf jeden Fall benützen!

Northwave

Während des Training-Camps in Kaltern waren wir auch zu Besuch in der Northwave Fabrik. Hier konnten wir quasi zuschauen, wie unser Schuh, der Northwave Extreme RR produziert wurde. Das wahnsinnig nette Team stattete uns nicht nur mit 2 paar der top Rennrad-Schuhe, sondern auch mit dicken und dünnen Socken, weiteren Handschuhen, Softshell Jacken und sehr bequemen Sneakern aus. Die Rennrad-Schuhe sind sehr steif und man bekommt auch im Sommer keine schwitzigen Füße darin. Wenn man bei kälteren Temperaturen unterwegs ist, kann man die Löcher zur Belüftung auch abkleben. Das montieren meiner Look Cleats funktionierte problemlos, auch der Verschluss lässt sich durch den silbernen Hebel und das Rädchen unkompliziert beim Fahren nachjustieren. Auch die anderen Sachen aus der Bekleidungs-Linie wie wasserfeste und Neopren-Überschuhe machen genau das, was sie sollen.

Von Northwave habe ich mir übrigens noch 2 weitere Paare gekauft: einen MTB-Schuh zum Crossen und den Raptor Arctic als Winterschuh.

Fazit: die Schuhe sehen gut aus, machen was sie sollen und haben eine hohe Qualität – sodass ich mir sogar noch welche nachgekauft habe.

Sidas

In unsere Northwave Schuhe bekamen wir an unseren Fuß angepasste Einlagen. Dabei wird der Fuß in eine unter eine Schutzfolie eingeschlossene Flüssigkeit gestellt, die dann aushärtet. Darin wird die Sohle geformt und dann in einem letzten Feinschliff an unseren Schuh angepasst. Wir haben gleich 2 Paar bekommen, deswegen habe ich in mein Sommer-Paar vorne noch ein paar Löcher reingestanzt, damit dem Fuß nicht zu heiß wird. 

Fazit: Ich fahre die Sohle in allen meinen Schuhen und bin sehr zufrieden, da sie wirklich bequem sind. Ich kann aber nicht beurteilen, ob ich nun durch die Sohlen tatsächlich XY Watt mehr aufs Pedal bekomme.

Holmenkol

Ein Rad ist nur so gut, wie man es in Schuss hält. Ich putze inzwischen meine Kette und Kassette sehr gerne, damit das Material länger hält – mit dem Equipment, das uns Holmenkol zur Verfügung gestellt hat, klappt das ganz fantastisch. Bei einer ausgiebigen Wäsche wird das Bike im Hof mit Bike Wash eingesprüht, dann abgespritzt. Im Anschluss kommt der Sport Clean entfetter auf Kette, Schaltröllchen und Kassette und ich ziehe sie immer wieder durch ein altes Shirt. Nachdem ich das Hinterrad rausgenommen habe, nehme ich noch etwas mehr Entfetter und das alte Shirt und fahre damit zwischen die einzelnen Ritzel. Danach wird alles wieder zusammen gebaut und mit einem passenden Lube geschmiert. Während ich im Sommer eher zum Lube Classic gegriffen habe, fahre ich jetzt im Winter das Lube Extreme.

Fazit: Die Produkte machen jeweils genau das, was sie sollen – und riechen nicht unnötig parfümiert, was einem einiges an Kopfschmerzen beim Putzen erspart!

Squeezy

Wie das bei Sportnahrung halt so ist, gibt es Produkte, die man sehr gut verträgt und Produkte, wo sich der Magen bei höherer Belastung wehrt. Den Großteil der Squeezy mochte ich sehr gerne und habe sie zum Beispiel auch bei der L’Étape benützt. Meine Favoriten sind die Gels mit etwas mehr Wasser drinnen (Drink Gel), das Cola-Gel mit Koffein, der Riegel mit Cola-Geschmack und Koffein und die puren Aminosäuren. Gar nicht zurecht gekommen bin ich und mein Magen mit den Kohlenhydrat-Pulvern, die man in seiner Trinkflasche auflöst. Da aber die Verträglichkeit von all diesen Kohlenhydrat-Mittel während dem Training ganz individuell ist, heißt das nicht, dass das bei dir auch so sein muss. Hier gilt: probieren geht über studieren. Wer zum Beispiel künstliche Aromen nicht so mag, wird, wie viele aus dem Team, den Organic Bar besonders gern essen. 

Squeezy hat uns in Kaltern auch erklärt, wie wir uns während einem Rennen am besten Ernähren und das wir nach einem klassischen Gel (21 Gramm Kohlenhydrate) etwa 200 ml Wasser Nachtrinken müssen. Genau so habe ich es in Frankreich dann auch gemacht, und Magenprobleme oder Muskelkrämpfe hatte ich überhaupt keine.

Fazit: Qualitative Sportnahrung, die auch noch schmeckt.

SportScheck

SportScheck stattete uns mit allen an Bekleidung aus, was uns warm hält, wenn wir nicht grade auf dem Rad sind, zum Beispiel einer sehr praktischen, warmen Jacke, die man auf die Größe einer Nackenrolle zusammen packen kann.

Grade im Startbereich vor Rennen nach dem Warmfahren oder auch im Ziel habe ich sie gerne getragen. Praktisch war auch unsere Outdoor-Hose, die Oben etwas weiter geschnitten war, sodass man sie schnell über eine kurze Bib streifen kann, wenn man ins Ziel kommt. Besonders hilfreich war sie letztens bei meinem ersten Cyclocross-Rennen, als ich überraschend für meinen 5. Platz einen Preis bekommen habe! Übrigens: während meiner Zeit im Team Alpecin habe ich auch auf dem SportScheck-Blog darüber berichten dürfen, wie zB. hier.

Fazit: Wer gesund bleiben möchte, muss auch neben der Fahrten selbst warm gekleidet sein. 

Stolz wie Bolle beim 5. Platz in Lockenhaus – natürlich in SportScheck-Panier!

Tacx Flux

Bis der Tacx da war, dauerte es. Und zwar ordentlich! Ende Juni war es dann soweit, und mein Freund durfte den Smart-Trainer vier Stockwerke ohne Lift hochtragen. Das Aufbauen erwies sich als langwierig: wer ein Rad mit Steckachsen fährt, sollte beim Kauf des Tacx gleich daran denken, sich einen Adapter dafür zuzulegen. Da ich kein eigenes Rad für die Rolle habe, musste ich mir auch noch eine zweite Kassette mit der gleichen Übersetzung kaufen, da ich nicht bei jedem ein- und ausspannen die Kassette vom Tacx aufs Laufrad und zurück montieren oder meine Schaltung neu justieren will. Wer diese beiden Dinge direkt bei der Bestellung beachtet, wird mit dem Tacx richtig viel Spaß haben – so wie ich nun! Das Kalibrieren via App funktioniert problemlos und der Tacx ist wirklich sehr leise (wie gesagt, wir wohnen ganz oben und man hört es weder unter uns noch im Nebenzimmer bei geschlossener Tür!) 

Fazit: solider Smart-Trainer, den ich absolut empfehlen kann!

Zwift

Damit ein Heimtrainer so richtig Spaß macht, braucht man Zwift – finde ich. Quasi ein Computerspiel, in dem man seinen Charakter mittels treten durch virtuelle Welt führt: was hier zählt, sind die Watt pro Kilo! In der App, die auf Computern, Apple TV, Tablets und Smartphones läuft, kann man sowohl festgelegte Trainingseinheiten als auch Rennen fahren. Wer Hilfe beim Start braucht oder nette Leute für gemeinsame Ausfahrten in Watopia finden möchte, ist in der ZRG-Gruppe gut aufgehoben. Letztens gab es Diskussionen, weil der Preis auf 14,99 im Monat angehoben wurde, das kann ich aber absolut nicht nachvollziehen, weil man dafür wirklich viel geboten bekommt. Auch, dass Fahren auf dem Smart-Trainer weniger anstrengend wäre, ist Blödsinn: ein Durchschnitts-Puls von 180 bei meinem ersten Zwift-Rennen sagt, denke ich, alles. 

Fazit: ich freue mich auf meinen zweiten Rennrad-Winter! Zwift ersetzt für mich zwar nicht das Fahren draußen, ist aber eine willkommene Abwechslung, wenn man nach einem langen Tag im Büro sich nicht noch eine Stunde in sein Wintergewandt zwängen möchte, um dann 2 Stunden in Stockdunkeln draußen zu fahren.

Strava Premium (inzwischen Summit)

Wir vom Team Alpecin haben ein kostenloses Jahr Strava Premium (inzwischen Summit) bekommen. Da ich auch schon davor Strava Premium hatte, war es jetzt nicht sooo ein Wow-Effekt, wie viele Analysen seiner Fahrten man sich ziehen kann oder wie lustig es sein kann, mit Live-Segmenten zu fahren. 

Fazit: Strava ohne Summit ist für mich nur der halbe Spaß. Folgen könnnt ihr mir übrigens hier:

ABUS

Nachdem unsere Oakley-Helme auf sich warten ließen, sprang spontan Abus ein. Unser Helm sieht nicht nur sehr schnittig aus, er wird auch regelmäßig in den Top-Wertungen der Tests von Bike-Magazinen erwähnt. Auch im Sommer ist die Belüftung gut und er sitzt perfekt. Zum Glück bin ich bislang nicht auf den Kopf gestürzt, weswegen ich wenig über seine Schutz-Funktion sagen kann. Aber beim schweren Sturz meiner Team-Kollegin Maddie am Tag vor der L’Étape hat er wohl schlimmeres verhindert. 

Fazit: ein guter Aero-Helm, unter dem einem nicht zu heiß wird.

Oakly

Von Oakley bekam ich die TdF-Sonderedition, die eine top Brille ist. Auch sonst fahre ich am liebsten Oakley: mein Freund hat mir grade die Jawbreaker zu Weihnachten geschenkt, die auch sehr praktisch ist, um damit im Winter zu fahren, da man die Gläser wechseln kann. Auch Kalter Fahrtwind gelang überhaupt gar nicht in die Nähe der Augen. Mein Favorit ist das photocrome Glas, dass sich den aktuellen Lichtverhältnissen anpasst.

Fazit: eine top Sportbrille, die nicht bescheuert aussieht und auch perfekt in die Belüftungs-Schlitze meiner Helme passt!

Compex

Wohl eins der Sachen, wo ich die meisten Fragen zu bekommen habe. Der Compex ist ein kleiner Computer mit Dioden, die mittels Pflastern am Körper angebracht werden. Er dient zur Muskelstimulation und kann zum Beispiel zur Unterstützung des Trainings, zum Aufwärmen oder zur Regeneration verwendet werden. Meistens setze ich ihn nach sehr harten Einheiten oder Rennen ein, um wieder fit zu werden. Es gibt aber noch viel mehr Möglichkeiten, die ich im Laufe des Winters testen werde, wie Massagen oder auch zum Muskelaufbau (Stichwort: Core Training).

Fazit: Ein kleines Teil mit beeindruckender Wirkung

Blackroll

Die schwarzen Rollen sind inzwischen quer durch verschiedenste Sportarten bekannt und kommen wohl direkt aus der Hölle, sind aber effektiv. Sie dienen zum Faszientraining, sind aber auch super, um sich nach einer langen Einheit etwas zu entspannen. Das Übungen mit der Blockroll, die zum Beispiel in YouTube-Videos gezeigt werden, soll man so oft machen, bis sie nicht mehr weh tun. Ganz habe ich das nicht immer geschafft, und ich sollte sie eigentlich auch viel öfter verwenden, sie sind allerdings ein Fixpunkt nach jeder Einheit auf dem Smart-Trainer geworden.

Fazit: ein Training auf den Faszienrollen lohnt sich! Danach fühlen sich die Muskeln nämlich viel besser an.

Radlabor

Unser Trainingsplan wurde von Flo vom Radlabor geschrieben. Zunächst sollten wir in Bielefeld realistisch einschätzen, wie viele Stunden pro Woche wir in das Training für die L’Étape investieren wollen und können. Flo meinte, es sei an uns, das meiste aus der Zeit im Team zu machen, und damit hatte er meinen Ehrgeiz geweckt: zwischen 11 und 15 Stunden würde ich mir Zeit nehmen. In Kaltern hat er uns dann erklärt, wie wir ein Training messen können, wie wir den Trainingsplan lesen und und und… So ist es wohl ein häufiger Fehler von Amateur-Radlern, intensive Einheiten nicht lang und stark genug durchzudrücken und es bei Grundlagen-Einheiten zu übertreiben. Danach waren wir immer über die Homepage direkt mit Flo in Kontakt und konnten Feedback geben, welche Einheiten uns schwer gefallen sind, wann wir nicht können und wann wir Rennen haben. Das lief problemlos ab und Flo reagierte immer flott, wenn wir was brauchten. Auch wenn ich den Trainingsplan nicht immer zu 100% eingehalten habe, sei es denn, weil ich erst spät aus dem Büro gekommen bin oder mir unbedingt diesen einen Radler da vorne während einem GA1-Training holen musste, konnte ich schnell erfolge sehen. Etwas enttäuscht war ich, als mein FTP-Wert beim letzten Test vor der L’Étape geringer war als beim ersten Test in Bielefeld, ich vermute aber, ich war einfach zu erschöpft von einer stressigen Arbeits-Woche gepaart mit einem anderen Anstieg als dem, wo ich sonst meine Tests gemacht habe. Wichtig ist: Flo war stets geduldig und hat mich auch motiviert, wenn es mal sein musste. 

Fazit: wer einen guten Partner für strukturiertes Training, Leistungsdiagnostik und Co sucht, ist bei Flo im Radlabor auf jeden Fall zufrieden!

Alpecin

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Pic by Henning Angerer

Doping für die Haare… Nur für die Haare! Wer kennt die Werbung nicht? Tatsächlich macht die Dr. Wolff Gruppe in Bielefeld auch viele andere Produkte, wie zum Beispiel Plantur 21, die Kosmetik-Linie Alcina oder Linola. Diese Creme hatte ich schon vor meiner Zeit im Team immer zuhause, da ich sie im Winter als Kälteschutz im Gesicht verwende. Ja, ihr habt richtig gelesen: ich schmiere mir einen Po-Schutzbalsam ins Gesicht, weil meine Haut darunter besser atmet als unter Vaseline. Und ich Rebell verwende manchmal auch das Alpecin- statt dem Plantur 21-Shampoo, aber erzählt das bloß nicht meinem Freund, sonst weiß er, warum seins immer leer ist.

Ergon

Wir Mädels durften die Ergon Sättel aus der SR Road Serie testen. Die Sättel sind sehr gut gemacht, aber selbst der schmalste war mir noch immer einen Tick zu breit. Dafür fahre ich ihn nun am Crosser, wo meine Touren etwas kürzer sind und ich dankbar bin, dass er ganz gut gepolstert ist. 

Lezyne

Von Lezyne bekamen wir eine Mini-Pumpe und ein super Multi-Tool für unser Rad. Mit beiden bin ich sehr zufrieden! 

Haus am Hang

In den geräumigen Zimmern des Hotels in Südtirol haben wir uns richtig wohl gefühlt. Leider war es noch etwas zu frisch, um auch den Pool so richtig auszukosten, das Hotel hat aber einen fantastischen Bike-Raum und eignet sich hervorragend als Startpunkt für diverse Touren.

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Pic by Henning Angerer

RoadBIKE, Cycling+, Bicycling NL

In den verschiedenen Medien-Partnern gab es allerhand über unsere Abenteuer zu lesen. Sehr gut auch, um bei Familien und Freunden Eindruck zu schinden. 

Puh… Das ist ja eine ganz schön lange Liste geworden – damit hätte ich zu Beginn des Artikels auch gar nicht gerechnet. Aber wir haben so viel Equipment bekommen – und ich möchte mich hier auch noch einmal dafür bedanken. Kurz gesagt: Das Rundum-Sorglos-Paket für Rennrad-Fahrer!

Und nun kommt das Beste: auch du kannst nächstes Jahr mit ein bisschen Glück all diese tollen Sachen und Erlebnisse bekommen. Denn die Anmeldung für 2019 ist eröffnet! Ich drücke euch allen die Daumen, denn dieses Jahr war einfach unvergesslich – und das sagen alle Alpecin All Stars!
Vielleicht sehen wir uns ja auch bei dem ein oder anderen Event?

Hier gehts zur Anmeldung zum Team Alpecin 2019

Allgemein Basics

Der verbissene „Mann“ auf dem Rennrad

15. August 2018
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Letztes Wochenende – Sommerloch sei dank – erschien in der Wochenendausgabe der Presse eine Kolumne, in der es um das vermeintliche Hassobjekt aller geht: Rennradfahrer.

Dem Fußgänger ist er meist relativ egal, außer er meint grade, über eine für Radfahrer konzipierte Brücke zu latschen, anstatt über die wenige Meter weiter gelegene Fußgänger-Brücke (Stichwort Praterbrücke). Dem (telefonierende) Hundehalter, dessen Wastl ja noch niiie jemandem was getan hat, deswegen läuft er ohne Maulkorb und Leine auf dem Radweg durch die eh schon sehr schmale Unterführung von der Reichsbrücke zur Lasallestraße, ist er schon nicht mehr ganz so Wurscht. Dem Jogger ist er wahrscheinlich noch nie aufgefallen, er hat in der Mitte der geteilten Fläche laufend mit voll aufgedrehter Musik auf beiden seiner Kopfhörer eh kein Auge für die Umgebung. Ist ja schließlich nicht sein Problem. Ein bisserl giftiger wird der Ton, wenn man so manchen fragt, der täglich mit dem Rad pendelt – aber man kennt sich und wenn sich alle an die Regeln halten, kommt es kaum bis gar nicht zu Problemen. Weiter geht es mit den Freizeit-Radlern und Touristen auf CityBikes. Gaaanz schwieriges Thema. Natürlich sind sie meist zu zweit nebeneinander unterwegs und reagieren zutiefst geschockt, wenn man seinen Freilauf ordentlich nach hinten zieht – RRRRRAAATSCHHH – oder ruft, dass man von links kommt. Diese Radrowdies! Unglaublich! Bis hin zu den Autofahrern: Das personifizierte Übel auf IHREN Straßen, die sie vermeintlich komplett selbst bezahlt haben. Der Parasit. Ein leidiges Geschwulst, dass man zwar nicht einfach wegmachen (oder besser gesagt, umfahren) kann, aber doch bitte zumindest mit 20 cm überholen darf und dabei seine Scheiben zu putzen, wenn da schon jemand meint, auf der IHREN Straße fahren zu müssen. Ergo: ein ungern gesehener „Gast“, überall und immer – statt dem, was er wirklich ist: ein Verkehrsteilnehmer mit Daseinsberechtigung.

Zurück zu der Kolumne, die im Netz unter dem Tag „Am Herd“ zu finden ist und die sich „Weiberrede“ nennt. Hallo Presse, 21. Jahrhundert sagt euch schon was? Oder müssen die Frauen bei euch noch immer aus der Küche schreiben? Meine Mutter hat mich zum Glück anders erzogen. Das erste Mal in meinem Leben fühlte ich mich bemüßigt, eine nette Antwort via Mail zu schreiben – so einen Gehirnfurz kann man wirklich nicht unkommentiert lassen. Ich möchte euch dies aber nicht vorenthalten, deswegen habe ich mich für eine öffentlich Antwort entschieden. Vielleicht sieht sie ja bei der nächsten Radfahrt davon ab, einen Zug vom „Joint, den ein Graffitischwein raucht“, zu nehmen? Und was zur Hölle ist eigentlich ein Graffitischwein?

Der „Tatort“ Donaukanal auf der globalen Strava-Heatmap
© Strava 2017 | © Mapbox © OpenStreetMap © DigitalGlobe

Die Kolumnistin fährt verträumt über einen gemischten Rad- und Fußgängerweg – den Donaukanal. Halbwegs vernünftig kann man ja nur die eine Seite vom Donaukanal befahren, auf der anderen sind kaum Fahrrad-Rampen. Er dient als eine wichtige Verbindung vom 3. in den 1. über den 9. bis hin in den 19. Bezirk – und das ganz ohne Autos! Ein Traum. Oder doch nicht? Ihre Ausfahrt wird vehemment durch einen Rempler von einem Rennrad-Fahrer gestört. Sie meint dazu:

„Ich kenne sie. Solche Männer – fast ausschließlich sind es Männer – fahren dicht über ihr Rennrad gebeugt. Die meisten sind älter. Wie alt genau, ist schwer zu sagen, weil sie oft ausgezehrt aussehen und verhärmt. Sie weichen nicht aus, sie erwarten selbstverständlich, dass du ihnen aus dem Weg gehst.“ Wissen Sie, Frau Steiner, ich kenne „sie“ auch. Diese Hans-Guck-in-die-Lufts, idealerweise mit Kopfhörern drinnen, die genau in der Mitte des Weges im Schritt-Tempo vor sich her zuckeln, gerne auch zu zweit ins Gespräch vertieft oder vollkommen in ihrer eigenen Welt gefesselt. Gern auch mal mit ein bisschen mehr Kilos auf den Rippen, als das Rad eigentlich zulässt. Aber wer bin ich, über das Aussehen anderer zu urteilen? Sowas machen doch eigentlich nur oberflächliche Idioten. StVO? Noch nie gehört. Runter schalten vor einer Ampel? Wieso? Rücksicht? Och, ich fahr ja eh so selten…

Mal ganz abgesehen von dem Schubladendenken, dass sie hier an den Tag legen. MAMILs – hihihi. Finde ich gar nicht so lustig. Denn: nach wie vor ist der Radsport eine Männer-Domäne, obwohl es so fantastische Frauen auf dem Rad gibt. Obwohl es sogar in Wien einen eigenen Verein gibt, der Pioniersarbeit darin leistet, Frauen für den Radsport zu begeistern (Danke Mitzis!). Und ich sogar das Gefühl habe, dass mich bei den Ausfahrten dieses Jahr mehr Frauen mit rundem Lenker grüßen (oder auch nicht – einige Sehen scheinbar nur den Po des Vor-Fahrers?) als letztes Jahr. Und trotz dessen, dass es der Radsport in Österreich echt nicht leicht hat – sowohl auf Amateur, als auch in der Profi-Ebene, soweit ich das beurteilen kann. Und last but not least: der Idiot, der Sie blöd mit einem Rennrad überholt, wird Sie genau so bescheuert mit einem Auto überholen. Oder einem LKW. Oder einem Bus. Denn, und jetzt halten Sie sich bitte fest: nicht das Gefährt, sondern die Person ist Schuld. 

Um Ihre Frage, ob „wir Rennradfahrer“ „euch nicht sportlich-ambitionierte Radfahrer“ verachten: ich kann hier nur für mich sprechen, aber die Allermeisten von „uns“ saßen vor dem Rennrad-Fahren auch lange auf einem gemütlichen Citycruiser, einem Mountainbike oder ähnlichem. Die Einstellung, jemanden zu verachten, ist einem guten Miteinander nicht zuträglich – und „wir“ verbringen ziemlich viel Zeit in diesem Miteinander: bei mir waren es dieses Jahr bis heute knapp 300 Stunden und 7000 Kilometer. Ich will nicht 300 Stunden lang „jemanden verachten“ – sondern lediglich mein liebstes Hobby in Ruhe ausführen. Und glaubns‘ ma: ich würde mich auch lieber von der Haustür auf die Donauinsel, oder idealerweise, nach Tuttendörfl beamen! Oder noch besser: eigenere Rennrad-Infrastruktur neben Gehsteig, Radweg, Parkfläche und Straße – Fußballkäfige werden ja auch wie Sand am Meer ohne vernünftiger Absicherung mitten in die Stadt gerotzt. So lange es das alles nicht spielt und halb Wien aus allen Wolken fällt, weil 500m Radweg gebaut werden sollen, werden auch weiterhin Rennradfahrer die Rad-Infrastruktur nützen (müssen). Wobei man auch sagen muss: Auf Strava, dem Facebook der Radfahrer, wurde die Top-Ten-Plätze auf den Donaukanal-Segmenten ausnahmslos bei Early-Bird-Ausfahrten, häufig kurz nach Sonnenaufgang, gemacht. Weil es halt einfach nicht geht, Stichwort Rücksicht und dass das Fortbewegungsmittel einen Trottel nicht zum Trottel macht.

Sie fragen sich außerdem: „Ein Rekord? Wovor radelt der Rennfahrer mit der schwarzen Funktionskleidung am Donaukanal eigentlich davon? Ist es das Alter? Ist es das Unglück? Die Langeweile?“ Oder möglicherweise doch vor der Ignoranz und kognitive Unfähigkeit (Stichwort Schubladendenken) einer Presse-Kolumnistin, die sich um die wahren Probleme der Frau, wie zum Beispiel einen Bikini im November für ihren Bobo-Urlaub zu kaufen, kümmert? Immerhin haben Sie ja auch bis Mitte der Nuller-Jahre Kulturjournalismus an der Uni Wien unterrichtet, wenn ich das richtig lese? Das würde natürlich auch die wachsende Anzahl der grottenschlecht recherchierten, reißerischen Zeitungs-Artikel erklären, die sich journalistisch unter jedem Niveau bewegen.  Es scheint fast so, als fehle Ihnen ein bisschen an Motivation – in journalistischer Hinsicht. Ach, Motivation und Ambition…

Vielleicht könnte Ihnen ja eine kleine Ausfahrt auf einem Rennrad wieder etwas Ambitionen und neue Blickwinkel verschaffen. Die positiven Auswirkungen von Ausdauersport auf Körper und Psyche sind unbestritten. Die mediative Wirkung einer langen Ausfahrt ist unbezahlbar! Und man lernt auch, dass die eigenen Ansprüche nicht die einzigen sind – denn die Welt dreht sich nicht um einen selbst. Rücksicht. Vorsicht. Vorrausschauen. Toleranz. Verständnis. Gleichheit. Leistung. Spaß. Das alles sind Dinge und Erlebnisse, die ich beim Rennrad-Fahren gelernt habe – und die in der Gesellschaft immer mehr an Bedeutung verlieren. Denn im Endeffekt dreht sich alles darum: Share the road!  Melden Sie sich gern bei mir. (-;

 

 

Pic by Martin Granadia // 169k.net

Allgemein Travel

Wie es sich anfühlt, als Rennrad-Rookie die L’Étape du Tour zu fahren

1. August 2018

Zeit meines Lebens habe ich es nicht geschafft, mir regelmäßig sportliche Übertragungen anzusehen – mal abgesehen von den 3 Wochen Fußball-EM und -WM. Die mochte ich schon immer, da alle Schanigärten (auf Deutsch: Gastgärten) gut gefüllt waren und es eine fantastische Beschäftigung ist, seinen österreichischen Freunden mit Jubel, sobald die deutschen Spieler etwas halbwegs vernünftiges Machen, auf die Nerven zu gehen. Das sollte dieses Jahr, wie allgemein bekannt, nichts werden. Glücklicherweise habe ich aber inzwischen ein gewisses Interesse für die TV-Übertragungen vom Profi-Radsport entwickelt. Beim Treffen mit den Eltern mal unauffällig das Handy zücken, um einen kurzen Blick in den Live-Stream zu erhaschen? Im Büro um Punkt 13:00 in Ermangelung des Eurosport Players den Live-Ticker auf Sportschau in einem eigenen Tab aktivieren? Ein Fantasy-Tour-de-France-Team erstellen und täglich umpositionieren, um die meisten Punkte durch die gefahrenen Kilometer der „echten“ Profis zu generieren? Eventuell habe ich all das in den letzten Wochen getan. Theoretisch kann man also nicht sagen, ich wusste nicht, worauf ich mich einlasse.

Praktisch fragte mich Daniel von der RoadBIKE Anfang Februar, ob ich es mir denn nach etwas mehr als einem halben Jahr auf dem Rennrad zutraue, eine Etappe der Tour de France zu fahren. Ich: „Natürlich! Meine erste Ausfahrt war direkt ein Grand Fondo und ich habe auch schon ein paar Mal richtig Höhenmeter gemacht! Über 1000!“ Kurzes Schweigen am Ende der Leitung. Nachher ist man immer klüger.

Nachdem ich in Bielefeld mein rotes Canyon Endurace CF SLX, oder auch: den Ferarri unter den Rennrädern, sowie einen ausgeklügelten Trainingsplan bekam, war ich mir sicher, dass das eine großartige Idee war. Auch als ich in Kaltern bei unserem Trainingscamp bei Abfahrten immer hinter den anderen herlutschte, kam mir nicht ein Gedanke, dass eine Berg-Etappe der Tour de France eventuell eine andere Hausnummer wäre. Waren ja nur 169km und nicht der Ötzi, wie bei den Anderen in den Jahren zuvor.

 

Reisen mit Radkoffer

Anreise

Freitag nachmittag stieg ich in den Flieger nach Genf und dann ging es mit dem Shuttle weiter in unser Team-Lodge in der Nähe von La Clusazs. Eine Millionen Kalorien verbrannten allerdings mein Freund und ich bereits am Vortag, als wir versuchten, mein eher breit gebautes Rad (Endurance-Geometrie, wie ihr ja wisst) mit Scheibenbremsen in irgendeinen der 2 neu angeschafften Radkoffer zu bekommen. Aero-Vorbau abmontieren. Schaltauge abmontieren. Sattelstütze raus. Räder abmontieren und die leeren Bremsbeläge mit Pappe ausstopfen. Alles festzurren. Koffer schließen… Koffer lässt sich nicht schließen. Andrer Koffer, gleiches Spiel. Auf einen Carbon-Rahmen sollte man sich ja auch eher nicht so drauf setzen wie auf seinen übervollen Koffer für eine Woche Strandurlaub. Carbon-Laufräder versucht, ineinander zu stecken. Das konnte nicht gesund sein für das Material, außerdem man kennt ja auch die Videos, wie Flughafen-Mitarbeiter mit diesen quasi jonglieren. Also: das vordere Laufrad musste zuhause bleiben, Lude, unser Teamchef, hatte noch eins für mich auf Lager.

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Als eine der letzten traf ich in unserer Hütte für die nächsten Tage ein, hatten sich bereits die anderen Alpecinis vor dem Fernseher versammelt, um WM zu schauen. Wir freuten uns, dass wir (fast) alle wieder zusammen waren und bekamen von 2 Köchen ein hervorragendes, Carb-lastiges Abendmahl kredenzt. Eigene Köche! Wie geil ist das denn! Aber: generell war Hütte, was Lodge (scheinbar) übersetzt bedeutet, eine maßlose Untertreibung. Eine riesige Terrasse mit Ausblick auf die französischen Alpen, umgeben von kleinen Schaf- und Ziegenherden, von denen man allerdings meist nur die Glocken hörte, ein Indoor-Pool, eine kleine Zapfanlage für das Bier nach dem Rennen und natürlich: ein Mechanik-Raum mit einer Menge an Rädern, alle im Preissegment eines guten Kleinwagens. Unser Team-Mechaniker und ich bauten mein Rad zusammen. Endlich wurde mein „kleiner“ Spacer-Turm etwas gekürzt! Und: Meine Kassette und meine Kette waren die Saubersten! Ich hatte alles fein säuberlich geputzt und natürlich nicht eingeölt, bevor ich es verpackt habe. Auf Kettenöl im Koffer konnte ich nämlich gut verzichten. Allerdings hatte ich auch jegliche Öl-Reste zwischen den Gliedern entfernt, sodass sich die Kette anhörte wie eine Kaffeemaschine. Na toll, da macht man die ganze Fleißarbeit und gedankt wird es einem durch Witze. „SO bist du gefahren?!“ Natürlich nicht. Auch egal. Neues Öl drauf und das Rad war fahrbereit.

Samstag

Samstag lief alles nach Plan: meine Kette machte keinen einzigen Mucks, ich merkte sofort, dass ich mich trotz der ungewohnten Umgebung auf meinem Rad wie zuhause fühlte und mir keine Sorgen machen müsste. Auch wenn ich nicht ganz so schnell abfahre wie die anderen, konnte ich am Berg und in der Ebene locker mit mithalten – das war in Kaltern noch nicht so. Die nicht enden wollenden Grundlagen-Einheiten, das abspulen von Intervallen entlang der Donau und das stupide wiederholte Auf- und Abfahren, teilweise 4 Mal hintereinander, ein und desselben Hausbergs bei Wien waren also nicht für den Hugo gewesen. Na immerhin.

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Leider kam es dann zu einem Sturz. Maddie, meine Team-Kollegin, auch erst seit weniger als einem Jahr, dafür aber wahnsinnig geschickt, auf dem Rennrad unterwegs, erwischte es übel auf einer Abfahrt. Ach du Schande… Die ist doch deutlich wiffer im Abfahren als ich! Und wenn ich morgen 4000 Höhenmeter rauf muss, muss ich doch zumindest eine ähnliche Anzahl an Höhenmetern wieder abfahren! Nooo! Das Kopfkino setzte ein… Doch für mich ging es erstmal weiter nach Annecy: in der L’Étape-Village sammelten wir unsere Startnummern, hangen auffällig lässig beim Katusha-Stand rum und genossen das schöne Städtchen. Der Lac d’Annecy war wirklich unfassbar schön und beinahe kitschig. Oder sagen wir es so: wenn jetzt 2 Delfine aus dem Wasser gesprungen wären und sich geküsst hätten, wäre ich nicht überrascht gewesen. Dann noch mal Carb-Loading mit Paella in der Lodge, alle Sachen penibel sortiert rauslegen, Briefing von Lude und Flo, unserem Trainer und ab in die Heia. Um 22 war Licht aus. 

L’Étape du Tour Village

 

 

Raceday

Mein Wecker klingelte nämlich um 3 Uhr morgens. Ich wachte vollkommen gerädert auf. Eingeschlafen bin ich erst um kurz nach halb 1. Wer kommt auf so eine bescheuerte Idee, das Rennen um 6:45 zu starten?! (Ach Nora, du naive Sau. Damit du deinen Allerwertesten noch vor Einbruch der Dunkelheit ins Ziel bekommst)
Es ging dann alles recht zackig: Zähne putzen, Sonnencreme, rein in die Radsachen, das gewohnte Pre-Race-Breakfast, gefühlt 7 Toilettenbesuche, rein in den Shuttle und auf nach Annecy.

Unsere Räder standen schon top in Schuss bereit:
Schläuche und Mäntel waren top in Schuss
Reifendruck wurde für das Streckenprofil optimal adjustert (4,5bar)
Batterien in den Schalthebeln wurden gecheckt und getauscht (Ich glaube, in der Nacht davor habe ich geträumt, dass genau die auf einem der Anstiege leer gehen. Und die kannst du nicht mal so eben tauschen wie die Akkus an der SRAM red eTap)
In unserer Satteltasche war ein Ersatzschlauch, Reifenheber und ein Multi-Tool und in meinen Rückentaschen waren 4 Cola-Riegel, um die 18 Gels und mein voll geladener Wahoo. LEDs und Töne hatte ich bereits am Vorabend deaktiviert, just in case, man möchte ja nicht auf offener Strecke ohne Rad-Computer dastehen, oder noch schlimmer, die Fahrt nicht auf Strava hochladen können. Dann hätte ich das ganze nochmal fahren müssen.

Mit dem Shuttle ging es dann zum Parkplatz der Uni, von wo aus wir uns in den Startbereich einrollten. Auf dem Weg dahin vertrieb ich mir meine Nervosität, indem ich mit dem freundlichen französischen Fahrer des anderen Shuttles telefonierte und versuchte, ihn mit den letzten verbliebenen Fetzen meines Schulfranzösisch zu unserer Unterkunft zu manövrieren, damit auch der 2. Teil der Gruppe eingesammelt werden konnte. Englisch sprechen die Franzosen bekannter Weise seeehr ungern und ich hatte leider einmal zu oft erwähnt, „dass ich ja sogar französisch als Unterrichtssprache hatte!“. Tja, das hatte ich nun davon. Von 5 Jahren französisch und 2 Sprachreisen war kaum mehr übrig als ein Mischmasch aus Denglisch, Italienisch, etwas französisch und – ach du scheiße – war das grade spanisch?

Weniger kuschelig wurde es dann im Startbereich bei 14 Grad auf den Startschuss zu warten, aber wir waren dank dem Alpecin-Orga-Team klar im Vorteil: unsere Ärmlinge und Westen flogen nach und nach über den Zaun, wo sie für uns ins Ziel transportiert wurden. Angesagt waren tagsüber Temperaturen bis 33 Grad. Hach, schon schön, nicht zu frieren und trotzdem nicht das unnötige Gewicht in den Trikot-Taschen mitschleppen zu müssen, wenn die Sonne erstmal richtig aufgegangen war! Gegen den Fahrtwind schob ich mir eine Doppelseite der Ötzi-Ergebnisse 2017 zwischen Trikot und Baselayer. Genial. Die konnte man dann einfach wegschmeißen, wenn die erste Abfahrt überstanden ist. Wie die Profis (früher)!

 

Los ging es um den Lac d’Annecy – ich kurbelte gemütlich dahin und plauderte mit unserem Fotografen, der witzigerweise auch aus Wien kam. Schließlich hatte uns Flo eingebläut, uns nicht gleich zu Beginn auszupowern. Immer wieder fand ich Gruppen, deren Tempo für mich passte, sodass ich schön Grundlage bis zum ersten kleinen Anstieg nach ca. 30 km fuhr. Im Streckenprofil sah der Col de Bluffy, ein Berg der Kategorie 4, neben den beeindruckenden Pässen, die auf uns warteten, eher wie eine Betonblase aus – aber wer sich hier überanstrengte, sollte spätestens auf dem übernächsten Anstieg zum Plateau des Glières Probleme bekommen. Also: 1. Gel und rüber da.

 

Col de la Croix Fry / 11 km mit 7% Avg.

Bei der ersten Labestation legte ich einen Zwischenstop ein und füllte meine Flaschen auf. Vor mir lag der Col de la Croix Fry, Berg der Kategorie 1 – 11km mit 7% Steigung im Schnitt. Von allen Anstiegen, die noch auf mich zukommen sollten, bestimmt der humanste. Aber länger als jeder andere Pass, den ich bislang gefahren bin! Noch einmal tief durchatmen, rauf auf den Sattel, kräftig in die Pedale getreten und los ging es – und der Berg war wunderschön! In den kleinen Bergdörfchen wie Manigod waren bereits Zuschauer, die uns bei ihrem Morgen-Kaffee anfeuerten. Die Straße war in einem fantastischen Zustand, ich fuhr gemütlich, schließlich wollte ich ja auch ein bisschen das Panorama genießen, und um mich rum begannen noch alle Startnummern mit 2, 3 oder 4. Ich fand die Motivations-Schilder am Streckenrand lustig und um mich herum waren auch nur gut gelaunte Fahrer. Hin und wieder hörte man mal ein Keuchen, nun redete aber keiner mehr miteinander.

Montée du plateau des Glières / 6 km mit 11,2% Avg.

Berg Numero Uno war schneller geschafft, als ich mir in meinen kühnsten Träumen erwartet hätte, und oben traf ich sogar meine Teamkollegen Tim, Arne, Les und Rens! Flaschen voll, 1. Riegel futtern, und nach einer gemütlichen Abfahrt durch La Clusazs stand mir der zweite Pass bevor, vor dem ich den größten Respekt hatte: Der Anstieg zum Plateau des Glières. 6 km mit 11,2% Steigung – im Durchschnitt! Ein Anstieg der Kategorie HC. Ich nestelte die durchgeschwitzten Zeitungspapier-Lagen aus meinem Trikot und dann ging es auch schon los: Die Straße war hier eher schmal und im 3 Minuten Takt fuhren auch noch Motorräder des Veranstalters, der Polizei und der Fotografen an uns vorbei. Meine Beine begannen nach 2 km das erste Mal zu zwicken. Der Ansteig erinnerte mich an meinen Hausberg, Hadersfeld, dessen erste paar Meter recht steil waren. Hier ging es allerdings nicht um ein paar Meter, sondern um 6 Kilometer! Ich fragte mich durchgehend, wer auf die hirnrissige Idee gekommen war, hier eine Straße hinzumachen? Am Straßenrand schoben die Ersten. Kurz darauf sollte ich auch schieben: direkt vor mir stürzten zwei Männer, links gab es nur den ungeschützten, steilen Bergabhang, rechts hatte ich keinen Platz, vorbei zu kommen, also klinkte ich aus und blieb stehen. Ich war auf der linken Seite, anfahren tut man für gewöhnlich rechts, um andere Teilnehmer nicht zu gefährden. Mein Wahoo zeigte eine Steigung von 14% an, weit und breit gab es kein Loch, um auf die rechte Seite zu kommen, also schob ich ein Stückchen, um einen Platz zu finden, der nicht zu steil zum Anfahren war – entlang der schmalen Kante, die die Straße vom Abhang trennte. Langsam stieg in mir ein ungutes Gefühl auf, wie ich es bislang noch nicht kannte. Kalte, blanke Panik. Was, wenn sich die nächsten Kilometer kein Platz zum Anfahren finden ließ? Ich abrutschte und in die Tiefe fiel? Oder ich beim Anfahren stürzte? Meine Hände wurden zittrig und ich spürte, wie mir das Wasser in die Augen stieg. In meinem Kopf ließ sich kein Gedanke mehr so recht ordnen. Niemand redete hier miteinander, auch nicht mit denen, die bereits am Straßenrand saßen und lagen. Das einzige, was ich hörte war ein durchgehendes Keuchen und hin und wieder eine schlecht geölte Kette.
Da blieb auf einmal ein kleines Loch und ich konnte auf eine Ausbuchtung der rechten Straßenseite wechseln. Dort standen und lagen einige andere, die ausgeklinkt hatten, und fuhren nach und nach an. Einer der Wartenden sah, dass es mir nicht gut ging. Er schnappte mein Fahrrad, sagte mir auf französisch, dass ich mich kurz hinsetzen solle, um etwas Wasser zu trinken. Und dann machte er einen Witz – keinen guten, nichts besonderes, aber die Situation war so irre, es brachte mich einfach auf andere Gedanken und ich musste Grinsen. Sofort merkte ich, wie mein Körper wieder Glückshormone ausschüttete und die bedrückende Angst abnahm. Ich stand auf, schnappte mir mein Fahrrad und klinkte beim ersten Versuch sofort ein.

 

Irgendwann war es dann geschafft, ich hatte die Bergwertung erreicht, und nun kam das Gravel-Stück, auf das ich mich am meisten gefreut habe! Vom Feeling ähnelte es der Strade Bianche und ließ super fahren. Rauf, runter, rauf, runter und hin und wieder den nach und nach immer mehr technischen Defekten am Straßenrand ausweichen. Wegen so einem Stückchen wurde davor so Panik gemacht? Das ich nicht lache! Es machte einfach richtig Spaß und ich genoss, genug Platz zu haben, um meine eigene Linie zu fahren. Trainiert hatte ich unter anderem auf kleinen, flachen Feldwegen und einem MTB-Trail in der Lobau.

In Gedanken verfluchte ich noch einmal denjenigen, der es für eine gute Idee gehalten hatte, eine so steile Straße wie den Montée du plateau des Glières zu bauen, schnappte mir frisches Wasser bei der Labestation und machte mich auf meine 13 Kilometer lange Abfahrt, die von einem weiteren kleinen Berg und einem recht langen, flachen Stück zu den letzten 2 Pässen führte. Das zog sich ordentlich hin! Eigentlich hätte jetzt auch Schluss sein können. Das waren grade schon mehr Höhenmeter, als ich jemals zuvor am Stück zurück gelegt hatte. Verrückt. Das Restaurant da am Straßenrand sieht doch nett aus? So etwas richtiges zu essen wäre jetzt schon mega! Und dann sage ich einfach, ich hab Knieschmerzen oder so und lasse mich einsammeln… Verdammt, ich hatte ja aus Gewichtsgründen mein Geld in der Lodge gelassen. Naja. Dann mach ich halt weiter.

„Allez les filles!“ Die Franzosen sind wirklich Radsport-Verrückt. Nicht nur für die Profis, auch für uns Jedermänner standen sie einen ganzen Tag am Straßenrand und hatten in rauen Mengen Wasserflaschen für uns parat. Auch kleine Säckchen mit Eiswürfeln durften wir uns im Vorbeifahren in den Nacken legen lassen. Und wenn man als Frau vorbei fuhr, jubelten selbst die bereits heiseren noch einmal laut auf! „Allez les filles“ Also: allez! Und ich machte ordentlich Zeitrückstand, der sich durch meine inexistenten Abfahr-Skills eher in Startnummer mit 5, 6 oder 7 zu Beginn ausgebaut hatte, gut. Das gab mir auch noch einmal neue Motivation.

Col de Romme / 9 km und 8,8% Avg.

Bei der vollkommen überfüllten Labestation am Fuße des Col de Romme wurde es richtig heiß: Mein Wahoo zeigte 32 Grad an. Überall lagen Menschen, Räder, Räder über Menschen, Menschen über Räder, die Männer pinkelten irgendwo in die Ecken, wir Mädels entdeckten neben den spärlich bemessenen 3 Dixi-Klos eine richtige Toilette. Mit Klopapier! Und kaltem, fließendem Wasser! Und: Sonnencreme. Die hatte ich nämlich inzwischen komplett ausgeschwitzt und meine Lippen brannten und platzten nach und nach auf. Dann prügelte ich mich mit ein paar Männern um frisches Trinkwasser bei der Labestation und sah dabei aus dem Augenwinkel ein kleines Brötchen mit Schinken und Salami drauf… Ich hatte noch nie während einem Rennen irgendwas „richtiges“ gegessen. Verträgt mein Magen das? Ach, schlimmer als dieser Wasserbauch mit Kohlenhydrat-Mischungen und Riegel-Bröseln drinnen konnte es nicht werden. Also schnappte ich mir schnell noch 2 Mini-Brote, die in diesem Moment besser schmeckten als das Surschnitzel bei der Poidlhütte. Sorry Adrian. Nur vom ISO-Zeug sollten wir unbedingt die Finger lassen, hatte man uns gesagt. Das verträgt sich nämlich gar nicht gut mit den Gels.

Weiter ging’s: Die Mittagssonne wärmte die Felswand neben uns so richtig schön auf. Der Asphalt wirkte eher wie kaum verhärtete Lava. Die Plätze im Schatten waren heiß umkämpft, wenn es überhaupt welche gab. Die Riegel und Gels, die ich sonst so gerne aß, schmeckten mir spätestens ab Nummer 15 nicht mehr „besonders gut“. Das Wasser in meinen Flaschen sorgte auch nicht mehr für Erfrischung, die mit Kohlenhydraten versetzte Mischung in Flasche 2 war aufgrund der Temperatur dermaßen eingedickt und kaum mehr trinkbar. Eine zuckrige Sirup-Masse ist für so einen aufgeblähten Rennfahrer- Bauch echt eine Herausforderung. Und überhaupt, diese bescheuerten Motivations-Schilder: die fand ich gar nicht mehr lustig, bei jedem weiteren fuhr ich allerdings ein bisschen schneller, um sie nicht mehr sehen zu müssen. Der Col de Romme mit 9 km und 8,8% Steigung im Schnitt forderte Tribut, immer mehr Teilnehmer lagen an den wenigen Schattenplätzen am Straßenrand. Knapp 130 km war ich nun unterwegs, meine bislang längste Ausfahrt und Probleme machten Körperteile, die ich bislang beim Radfahren noch nie gespürt habe: mein Kreuz und meine Arme. Irgendwann war es mir bei der recht knackigen Steigung aufgrund der Schmerzen nicht mehr möglich, zu meiner Trinkflasche zu greifen. Die Hitze und der Wassermangel führten zu Schwindel und ich ließ abreißen und schlängelte mich rechts aus dem Feld. Ich füllte etwas Wasser in die Kohlenhydrat-Mischungs-Flasche und trank diese auf Ex. Tatsächlich konnte ich schon wenige Sekunden später wieder klar denken und mich besser bewegen!

Die letzte Stunde hatte niemand in meiner Nähe ein Wort gesproche. Es ging kein einziges Lüftchen, die Luft war so aufgeladen und heiß, man hätte sie schneiden können. Hin und wieder hörte man, wie sich jemand verschaltet oder ein knarzendes Tretlager – oder ein Husten und Stöhnen.  Die letzten mir bekannten Menschen hatte ich bei der Labestation des 1. Passes gesehen – und so freute es mich umso mehr, als ein sehr großer, bärtiger Mann rechts neben mir meinte “Oh, it’s you again!” Wir sind uns scheinbar auf dem flachen Stück immer wieder begegnet, doch nun fehlten uns beiden einiges an Flüssigkeit und Zucker. Ich gab ihm einen Riegel von meinem Vorrat, zog mir die Kappe unter dem Helm aus und wir beschlossen, die restlichen Kilometer bis zum Gipfel gemeinsam zu fahren. “All I want to do is to finish this goddamn Col as fast as possible.” – das dachte ich mir auch, schließlich war die Hitze und die Stille kaum mehr auszuhalten. Also quatschten wir (oder besser gesagt ich quatschte, er ächzte), bis wir es nach oben geschafft hatten, und ich wünschte ihm vor der Abfahrt noch ein sicheres Rennen.

Unicorn Cycling Team Alpecin Letape du Tour

Col de la Colombière / 7,5 km mit 8,5% Avg.

Plötzlich sah ich zwei rot-blaue Trikots aufblitzen: Markus und Laura aus unserem Team, die ich bisher noch gar nicht auf der Strecke gesehen hatte, düsten auf der Abfahrt an mir vorbei. Ich wollte einfach nur sicher zum letzten Anstieg kommen, behielt mein Tempo bei, auf dem Weg zum Col de la Colombière könnte ich sie ja vielleicht eh noch einmal einholen. Und tatsächlich, so war es auch: ich hatte mir meine Energien gut eingeteilt und konnte noch ordentlich in die Pedale steigen. Während ich bislang von den Wattwerten irgendwo zwischen schlechtem und guten Tag herumpendelte, schaffte ich am letzten Anstieg die Werte für den sehr guten Tag! Auch mein Puls blieb unten. Im Nachhinein erfuhr ich von Daniel: aus Erschöpfung. Egal! Ich freute mich, den letzten Anstieg der Kategorie 1 kurz über meinem GA2-Bereich zu fahren und dennoch ordentlich flott unterwegs zu sein! Ich blieb einfach auf der linken Seite und konnte am Feld vorbei ziehen, hier war auch mehr als genug Platz, ich fühlte mich sicher und gut. Wenn ich eine Lücke fand, ordnete ich mich ein, um noch ein bisschen Energie zu sparen. Ich musste einfach die ganze Zeit grinsen: bald, ganz bald, war es geschafft!

Unicorn Cycling Team Alpecin Letape du Tour

Abfahren… Juhu…. Man sieht mir meine Begeisterung an!

Nun ging es in die 15 km lange Abfahrt in den Zielort Le Grand Bornard – ich dachte mir nur: Nicht sterben. Nicht sterben. Nicht sterben.  Ich weiß, die meisten, die diesen Artikel lesen werden, schlecken sich nach einer solchen Abfahrt auf gesperrten Straßen die Finger ab. Auch Laura und Markus schossen wieder an mir vorbei. Ganz im Gegenteil zu mir; am liebsten wäre es mir gewesen, wenn mich nach den Anstiegen jeweils ein Auto abgeholt hätte. Hätte hätte Fahrradkette… Ich sah das Orts-Schild des Ziels in Le Grand-Bornand. Und grinste wieder.

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Zieleinfahrt in Le Grand-Bornand

Das harte Training der letzten Monate war es wert gewesen. Ich ging noch einmal in den Wiegetritt für den Ziel-Sprint und rollte nach 9:08 Minuten Netto-Fahrzeit und 10:42 mit Pausen ins Ziel! Mir schossen die Tränen in die Augen. Ich konnte gar nicht anders! Aber musste dabei lachen, ich sah unseren Kamera-Mann, der mir auf den letzten zwei Pässen beinahe auf die Nerven gegangen war (Sorry! Du hast ja nur deinen Job gemacht, ich weiß! 😉 ), aber mich auch noch mal ordentlich angefeuert hatte, dass ich bei weitem nicht die letzte vom Team wäre! Mit der Medaille um den Hals setzte dann auch die Erleichterung ein. Ich hatte es geschafft! Eine echte Berg-Etappe der Tour de France! 169 km mit 4000 Höhenmetern (laut Wahoo „nur“ 3900?) nach nicht mal einem Jahr Rennrad-Fahren. Hättest du mir letzten Juli gesagt, ich würde Rennen fahren, lange Rennen, extreme Rennen, hätte ich dir den Vogel gezeigt. Idiot. Wer macht sowas? Tja, ich habe es gemacht. Laura war kurz vor mir ins Ziel gekommen, wir plünderten das Buffet mit kaltem Wasser und unfassbar gutem, französischen Käse und machten uns auf den Weg zum Alpecin-Wagen.

Ein fantastischer Tag auf dem Rad ging zu Ende und die Gefühle der letzten Stunden überrollten mich. Vor allem war ich aber eins: Verdammt stolz! Beim Abschluss-Grillen am Abend bekamen wir alle ein gelbes Trikot. Wir haben zwar nicht das Rennen gewonnen, aber jeder von uns konnte heute einen kleinen Sieg über sich selbst einfahren – ob Arne, Laura oder ich als Rennrad-Rookies oder Franky und Stefano, die beide die selbe Zeit gefahren sind und es damit in die Top-1000 geschafft haben!

Strava: Hier

Platzierungen:
Insgesamt 10402/12209
Frauen gesamt: 478/keine Ahnung
Altersklasse: 141/195
Auf den Anstiegen war ich eher im hinteren Drittel – bis auf den letzten, den Col de la Colombière, da konnte ich im Mittelfeld gut mithalten.

Aber ganz ehrlich: die Platzierung ist doch nach so einer Challenge wurscht, zumindest mir.

 

 

Photos: Sportograf // Daniel – RoadBIKE // Bengt Stiller Photography // Meine, beim Fahren aus Sicherheitsgründen mit der HTC RE gemacht

Allgemein Travel

Team Alpecin 2018: Treffen in Bielefeld

18. März 2018

So, es ist so weit. Ich sitze im Flugzeug. Zurück geht nicht mehr! Aber warum zurück?
Ach, ich fange ganz vorne an: Ich bin Nora, 23 Jahre alt und darf dieses Jahr für das Jedermann-Team von Alpecin fahren. Im Dezember habe ich mich beworben – und unglaublicher weise funktionierte es gleich beim ersten Mal! Erfahren habe ich vom Team Alpecin, als ich kurz nach meiner ersten Ausfahrt einen Artikel in der RoadBIKE gelesen habe: Die Mitglieder vom Team Alpecin 2017 berichteten über ihre Erfahrung beim Ötztaler Radmarathon. Für mich war das zu diesem Zeitpunkt noch undenkbar: ein Rennen? Mit so vielen Höhenmetern? An einem Tag?

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